Fotoausstellung "Nidwaldner Kino" - Presseberichte

 
 
 
 
 

Neue Nidwaldner Zeitung, 10. März 2014


Hier entstehen die Filme im Kopf
Im Erdgeschoss der Stansstader Sust prangen zurzeit elf Kinoplakate im Grossformat. Montiert hat sie der 40-jährige Stansstader Grafiker und Fotograf Silvan Bucher. Der Inhalt der Poster könnte unterschiedlicher kaum sein: Hier sieht man schwarz-weiss und gestochen scharf den Karambolagen-Fotografen Arnold Odermatt mit seiner Rolleiflex. Dort posiert, mit Zigarette im Mund, cool eine von Kopf bis Fuss tätowierte Wolfenschiesserin, die in der Tattoo-Szene gar bis New York bekannt sein soll! Ein vollbärtiger Nidwaldner Wilderer hält die Flinte im Anschlag und nimmt jeden, der vorbeigeht, aufs Korn. Über dem Bürgenstock, der als Megavulkan Glut und Asche speit, donnert ein Flugzeug. Direkt auf einen zu!

Halbwahre Geschichten
Filme gibt es zu diesen Bildern allerdings nicht. «Aber», so Bucher, «zu jedem dieser Bilder gab es mal jemanden, dem etwas Ähnliches passiert ist, das berühmte Körnchen Wahrheit sozusagen!» Schliesslich aber habe er für das Projekt «Nidwaldner Kino» dann doch sämtliche Figuren neu erfunden. Die völlig verrückten Geschichten zu halbwahren Bildern steuert dann der Publizist Christian Hug bei. «Genau darum geht es uns», betont er. «Um spektakuläre, ergreifende, urkomische Geschichten, erzählt in berührenden, bestürzenden, bewegten Bildern, die wir dem Publikum vorsetzen.» Schade eigentlich nur, dass so spektakuläre Filme gar nie gedreht worden seien, finden beide Fantasten. Und im selben Atemzug fordern sie alle Anwesenden auf, sich doch die Hollywood-Streifen samt Soundtracks anhand der Plakate selber auszudenken. Das Heft «Nidwaldner Kino» als grosse Hilfe dazu ist übrigens bei Buchhändler von Matt in Stans erhältlich.

So sehen es die Protagonisten
Der Nidwaldner Helmibläser Paul Arnold (74) aus Dallenwil ist auf der Leinwand riesig und urchig abgelichtet. Kein Wunder, wird er an der Vernissage von allen bewundert und angesprochen. «Als Krieger in fremden Diensten war er gefürchtet, er war der beste Reisläufer des Franzosenkönigs», verrät der Klappentext. Arnold lacht: «Silvan Bucher rief mich eines Tages an und sagte, dass er mich originell finde und fotografieren wolle.» Weil er gleich zugesagt habe, sei dann dieses fantastische Bild entstanden. «Ein kleiner Abzug davon hängt in meiner Wohnung», gesteht Arnold, der auf sein Heldenbild sichtlich stolz ist.

Geradezu dramatisch hat sich der Feuerwehrmann Martin Schmid (42) aus Stansstad in Szene setzen lassen. Er steht im überfluteten Stansstad, hält rettend ein Kind in den Armen, derweil im wolkigen Himmel über ihnen ein Helikopter schwebt. «The End is near», kündet der Klappentext an. «Ach was», grinst der Held. «Alles geschickte Fotomontage und Fiktion. Kino eben, wie man es von Hollywood kennt.» Für die Fotografie habe er Silvan Buchers Töchterchen «gerettet». Der weltberühmte Stanser Polizeifotograf Arnold Odermatt (88) amüsiert sich köstlich. «Unglaub­lich, was man heute mit Fotomontagen alles erfinden kann», schmunzelt er. «Zu meiner Zeit kannte man all diese Techniken noch nicht, und heute werde ich sie auch nicht mehr erlernen.» Mindestens sein Bild unter dem Titel «Der Seher Kameras und Karambolagen» sei grundehrlich und gut gelungen. Doch was ist denn das? Hat dieser Bucher ins Objektiv der Rolleiflex tatsächlich einen havarierten VW-Käfer hineingeschmuggelt!

Publikum geht begeistert ins Kino
Für einmal sieht man in der Sust nur heitere Gesichter. Es wird viel gelacht und bewundert. Erich Keiser (47), Verleger aus Stans, meint: «Kinoplakate für fiktive Filme, das ist doch genau das, was zu Silvan Bucher passt.» Diese Filmwelt «Inspired By True Events» sei eine riesige Erfolgsstory. «Seit Bucher auf seiner Homepage das Bild der tätowierten Frau veröffentlicht hat, hagelte es etwa 8000 Hits. Was er da lostritt, fasziniert mich ungemein.» Trudi Voirol (70) staunt nicht. «Wir kennen Silvan seit Jahren, wenn der mal etwas im Kopf hat, zieht er es stets akribisch durch, bis sich der Erfolg einstellt.» Diese Meinung teilt auch Karin Mathis (54) aus Buochs. «Schon als Bub war Silvan ein Film­fanatiker und kannte jeden verrückten Film in- und auswendig», erzählt sie. Ihr aber gefielen die Landschaftsbilder, die der Fotograf im dritten Stock zeige. «Sie bilden einen krassen Gegensatz zum Nidwaldner Kino, sind oft dunkel und doch niemals bedrohlich!»

Der 92-jährige Landschaftsfotograf Willi P. Burkhardt aus Buochs steht bewundernd vor einem Bild mit dem Brisen. «Silvan Bucher versteht es wie kein Zweiter, Landschaften stimmungsvoll und eindrücklich zu gestalten», anerkennt der Fachmann. Roland Würsch (44), Geschäftsführer in der Dallenwiler Firma Paint Styling, versucht es zu erklären: «In Silvan Buchers Bildern sieht man jedes noch so kleine Detail haargenau.»

Das eigentliche Erfolgsgeheimnis umschreibt sein Freund Christian Hug am treffendsten: «Silvan ist ein extrem pingeliger Schaffer, der mit Akribie stundenlang um ein paar Millimeter feilschen kann, wenn dies der Ästhetik seiner Bilder dient.»

ROMANO CUONZ
redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

 

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20Minuten, 10. März 2014


Grosses Kino mit erfundenen Filmplakaten
Fotograf Silvan Bucher aus Stansstad hat sich für seine Ausstellung «Nidwaldner Kino» etwas Besonderes überlegt: Er zeigt selbst erfundene Filmplakate mit Models aus Nidwalden.

Man blickt direkt in den Lauf des Gewehrs von Wildhüter Hans Odermatt alias «Lochrüti-Hans». Was wie ein Filmplakat aus Hollywood aussieht, ist in Wahrheit eine Fotografie von Silvan Bucher, die einen Wildhüter aus Nidwalden als Filmstar darstellt. «Ihm war sehr unwohl, weil er für die Aufnahme mit der Waffe auf mich zeigen musste», erzählt der Fotograf.

Laut Bucher haben alle Sujets auf seinen Bildern einen Bezug zum Kanton: «Wir wollten Geschichten zeigen von Nidwalden, die nicht wahr sind. Trotzdem sollen sie Menschen und Traditionen beinhalten, die hier tatsächlich existieren.» Der Ausstellungsraum, der Jodler, Ritter, Nidwaldner Originale, Flugzeuge und Berge zeigt, wird von epischer Filmusik beschallt. Die dazu erfundenen Geschichten, die in der Ausstellungsbroschüre abgedruckt sind, stammen von Texter Christian Hug aus Stans.

Einer der fiktiven Filme etwa nennt sich «High Tide» und handelt in Nidwalden im Jahr 2030. Erdrutsche haben ganze Häuserblocks verschwinden lassen, entfesselte Flüsse alles weggeschwemmt, was ihnen im Wege war. Auch der Feuerwehrmann Martin Schmid - der auf dem Filmplakat zu sehen ist - hat bisher angenommen, die Flut sei Auswirkung des Klimawandels. Bis er eine mysteriöse Entdeckung macht ...

Der rote Teppich ist bereits ausgerollt

Für den 40-jährigen Familienvater Bucher ist ein finanzieller Erfolg durch den Bilderverkauf unrealistisch: «Der Beweggrund für diese Ausstellung ist nicht der Profit, ich möchte vor allem den Leuten mein Schaffen näher bringen.» Die Produktionskosten für die grossen Bilder sind hoch, die Verkaufspreise liegen «zwischen 1400 und 1800 Franken», sagt Bucher. Er verkauft die Originalbilder der Ausstellung sowie weitere Kopien. Am Samstag ging die Vernissage in der «Sust» in Stansstad über die Bühne. Damit dem kompletten Kinoerlebnis nichts im Wege stand, hatte Bucher den roten Teppich ausgerollt und Popcorn organisiert. Seine Ausstellung ist bis am 30.März in Stansstad zu bestaunen.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitet Bucher ebenfalls als selbstständiger Fotograf und Grafiker. Spezialisiert ist er etwa auf Konzert-, Hochzeits- oder auf PR-Bilder. Auch Stars wie Anatole Taubmann oder Marc Sway standen schon vor seiner Linse. Fotografieren fasziniere ihn schon seit seinem 16. Lebensjahr, das Handwerk erlernte er an der Schule für Gestaltung in Aarau.

CLAUDIO ZANINI
feedback@20minuten.ch

 

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Ausstellungsbericht der Kulturkommission Stansstad

 

«Nidwaldner Kino»: Gibt es das überhaupt noch?
Filme werden im Kanton Nidwalden im öffentlichen Rahmen tatsächlich nur noch wenige gezeigt. Wer sich darüber grämt, dem ist der Besuch von Silvan Bucher’s Ausstellung in Stansstad wärmstens empfohlen. Zwar werden auch in der Sust keine bewegten Bilder gezeigt, doch wer sich die ausgestellten Fotografien anschaut, fühlt sich unweigerlich in die Welt des Kinos versetzt.

Bewegte Bilder im Kopf
Dies gilt vor allem für die neun grossen Hochformats - Bilder im Erdgeschoss, die in bestem Kinoplakat – Stil den Betrachter auffordern sich Gedanken zu einem Ereignis, einem Geschehen zu machen. Wie die Geschichte im Kopf abläuft, ist dem Besucher selbst überlassen. Silvan Bucher hat als Untertitel zu seiner Ausstellung den Satz «Inspired by True Events» gewählt. Ob wirklich alles wahr ist? Stimmt sie, die Geschichte des Wilderers, der sein Gewehr auf den Zuschauer richtet? Hat der Stansstader Feuerwehrmann 2005 wirklich ein Kind aus den Wassermassen gerettet? Eigentlich unwichtig, denn Kino darf fiktional, dramatisch überhöht sein. Und wer sich im Dschungel seiner Gedanken nicht mehr zurechtfindet, dem sei die Begleit-Broschüre zum Kauf empfohlen, in der Christian Hug zu jeder Fotografie mit Augenzwinkern eine Geschichte geschrieben hat.

Drang zur Perfektion
Silvan Bucher bezeichnet sich bescheiden als Handwerker, als Kunsthandwerker. Das sei dahin gestellt. Auf jeden Fall präsentiert sich in Stansstad ein ausgewiesener  Fotograf, der mit seiner Hasselblad-Kamera Fotos von überragender Dramatik und gestochener Schärfe schiesst. Sein Ziel ist die Perfektion: der perfekte Kontrast, die perfekte Farbigkeit. Mit grosser Akribie gelingt es ihm in stundenlanger Arbeit die letzten Details aus einer Fotografie herauszuholen. Das Resultat sind Bilder von beeindruckender Dreidimensionalität, spannender Lichtführung und epischer Ausdruckskraft.

In den oberen beiden Stockwerken zeigt Silvan Bucher eine grosse Retrospektive. Diese früheren Werke sind minuziös bearbeite Fotografien, die meist im Freien aufgenommen wurden und deshalb viele Landschaftsmotive zeigen. Bei den neun jüngeren Arbeiten im Erdgeschoss überwiegen Porträts, die zum Teil aus verschiedenen Aufnahmen zusammengesetzt wurden. Dabei betätigt sich der Fotograf als Bildregisseur, denn es wird nie eine bewegte Szene, sondern immer ein inszenierter Moment ins Zentrum gestellt. Um die Details zu erkennen, muss sich der Besucher bei der Betrachtung der  Bilder Zeit nehmen. Zeit, um sich die Geschichten aus Nidwalden erzählen zu lassen.

RAFAEL SCHNEUWLY
Kulturkommission Stansstad

 

 

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Rückblick im Nidwaldner Blitz vom 13. März 2014


DAS NIDWALDNER KINO LEBT
Sust Stansstad: Vernissage der Foto-Ausstellung «Nidwaldner Kino» von Silvan Bucher

 

Sie schritten über den roten Teppich, assen Popcorn, hörten sich Filmmusik an und bewunderten vor allem die ausdrucksstarken Fotografien. Sie, das waren die überaus zahlreichen Besucherinnen und Besucher, die am letzten Samstag die Sust in Stansstad bis in den hintersten Winkel füllten. Und wie es sich für eine richtige Kino-Premiere gehört, war viel Glamour zu entdecken, denn alle auf den Fotoplakaten abgebildeten Nidwaldner «Filmstars» waren anwesend: Der Fotograf Arnold Odermatt; der Helmibläser Paul Arnold; das international renommierte Model Hell Glam, aufs Schönste tätowiert;
Lochrüti Hans, der finstere Wilderer hinter der Flinte; Walter und Elena Kaiser, für einmal nicht über dem Brisen schwebend; Martin Schmid, der heldenhafte Feuerwehrmann aus dem überfluteten Stansstad; Ritter Stefan Bamert ohne Harnisch und Helm; Nicole Durrer, die Wiedererstandene, und at last, but not least, Andy und Sybille Barmettler,
die Doppelte. Christian Hug, der Verfasser der Broschüre mit den fantasievollen Geschichten zu den Bildern, hielt eine launige Laudatio. Silvan Bucher, der seit sechzehn Jahren fotografiert, muss schon als Kind sehr am Film interessiert gewesen sein. Wenn andere mit Legos spielten, schaute er sich fasziniert Filmzeitschriften
an und legte so die Basis für die seit einiger Zeit sehr intensive Beschäftigung mit der Welt des Celluloid. Und wer weiss: Vielleicht lernen die Bilder von Silvan Bucher auch noch das Laufen. Zumindest um Mitternacht in der Sust. Doch das wäre wieder eine
andere Geschichte…

 

RAFAEL SCHNEUWLY
Kulturkommission Stansstad